Flamenco Performance aus Wien

Zur Geschichte des Flamencos

Die Heimat des Flamenco ist Andalusien, also der Süden Spaniens, der in seiner Geschichte von vielen Völkern und Kulturen geprägt wurde: südspanische Volkstradition, Zigeunerstämme, die bereits im 15. Jahrhundert eingewandert waren, Araber, die in der langen Herrschaft vom 8. bis 15. Jahrhundert der andalusischen Musik ihren Stempel aufgedrückt haben, die Psalmen und Gesänge der spanischen Juden, die in ihren Synagogen regelrecht zu Gott riefen, und schließlich die liturgischen Gesänge der spanischen Urkirche.

Die ersten Flamenco-Schulen entstanden in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Flamenco-Texte (letras) bieten die ganze Breite des menschlichen Seins: Freude und Schmerz, Angst und Tod, Verzweiflung und Hoffnung. Die Liebe nimmt, wie allgemein in Volksliedern, eine zentrale Stelle ein. Charakteristisch für die Flamenco-Texte ist die Einfachheit der Sprache, weil sie im Volk entstanden sind. Die Mehrzahl der alten Texte ist mündlich überliefert, manchmal verfasste sie aber auch ein Dichter wie etwa Federico Garcia Lorca. Der echte Flamenco lebte nicht auf großen Bühnen, sondern in Familien, in Freundeskreisen.

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Flamenco in zahlreichen Musik-Cafes (cafes cantates) in Südspanien. Es wurden fröhliche Flamenco-Shows und Welttourneen veranstaltet. Diese Entwicklung hatte aber auch Gegner. 1922 organisierte eine Gruppe von Intellektuellen um den Dichter Garcia Lorca und den Komponisten Manuel de Falla einen Flamenco-Wettbewerb in Granada, der den authentischen Flamenco fördern sollte. 1955 begann eine Renaissance des echten Flamencos. Schlüsselfiguren sind unter vielen anderen Antonio Mairena, Paco de Lucia, Antonio Gadez.

Flamenco besteht traditionell aus Cante (Gesang), Toque (Spiel der Gitarre) und Baile (Tanz). Der Cante bildet die Grundlage all dessen, was Flamenco darstellt. Zum Cante kommen Rhythmus (Händeklatschen, Palmas), Tanz und zuletzt die Gitarre hinzu. Der Flamenco wird in ca. 40 verschiedene Gattungen unterteilt. Sie unterscheiden sich grundlegend in Takt, Rhythmus und Stimmung. Das Spektrum ist breit und reicht von tiefer, trostloser Verzweiflung bis zur heiteren explosiven Lebensfreude.

Die bekanntesten Flamencostile sind:

Buleria, Alegria, Siguiriya, Guajira, Fandango, Zorongo, Tientos, Garrotin, Farruca, Rumba, Tango, Sevillanas, Taranto, Martinete, Petenera.